„Wir müssen uns die mittelständische Landwirtschaft bewahren!“

Interview mit Christian Gaisböck, Geschäftsführer der MFG Deutsche Saatgut GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Gaisböck, die MFG Deutsche Saatgut GmbH tritt als starker Partner der Landwirtschaft auf – an welcher Stelle unterstützen Sie Ihre Kunden dabei genau? 

Christian Gaisböck: Als Direktvertrieb beliefern wir unsere Landwirte mit Zwischenfrüchten, Gräsermischungen sowie Mais- und Sojasaatgut. Dabei können wir auf die mittelständisch und genossenschaftlich erzeugte Genetik unserer Züchtungspartner zurückgreifen, die vornehmlich von unseren Partnern in Deutschland und Österreich erzeugt wird. Diese schneidet in den Qualitätsparametern durchwegs überdurchschnittlich ab, sodass ein Landwirt mit unseren Produkten einen etwas höheren Ertrag auf seinen Äckern erwarten darf. 

Wirtschaftsforum: Worin liegen dabei die zentralen Innovationen? 

Christian Gaisböck: Angesichts der großen Produktvielfalt, die es im Markt gibt, sprechen wir hier von Nuancen – doch diese machen im harten Wettbewerb eben den Unterschied. Unsere Gräsermischungen können beispielsweise mit einem Reinheitsgrad von 99,9 bis 100% überzeugen. Wir bieten insgesamt 25 Maissorten an, womit wir dem Landwirt ein ganz für seine individuellen Anforderungen vorselektiertes Portfolio bereitstellen können: pansenstabil und mit hochverdaulichen Fasern, denn am Ende will ein Milchviehlandwirt ja die Milchleistung seiner Kühe steigern. Dabei können wir ihn unterstützen. Darüber hinaus haben wir eine in Deutschland außergewöhnlich breite Fachkompetenz im Bereich Soja zu bieten – einer der hierzulande bis heute am stärksten unterrepräsentierten Kulturen überhaupt. 

Wirtschaftsforum: Worauf kommt es bei der Qualität der Sojabohnen an? 

Christian Gaisböck: Unsere Sorten vereinen eine hohe Triebkraft mit einem hohen Ertrag. Denn auch wenn die Auflaufbedingungen mit einem nasskalten April oder Mai einmal nicht gerade optimal sind, wollen die Landwirte dann vielfach trotzdem schon aussähen – deshalb ist eine überdurchschnittliche Triebkraft an dieser Stelle ein wichtiger Vorteil. 

Wirtschaftsforum: Worin sehen Sie Weiterentwicklungspotenzial für die nächsten Jahre? 

Christian Gaisböck: Grundsätzlich müssen unsere Mitarbeiter auch in Zukunft exzellente Saatgutexperten sein – sie werden dieses tiefe Produktwissen jedoch perspektivisch noch dezidierter mit einer spitzen Expertise zu den konkreten Gegebenheiten verbinden können, die bei unseren Landwirten vor Ort tatsächlich vorherrschen. Denn schon ein paar Dutzend Kilometer Ortsunterschied können leicht andere Umgebungsbedingungen bedeuten – eine Temperaturabweichung um 2 °C etwa, oder ein bisschen mehr oder weniger Niederschlag. Das kann in der landwirtschaftlichen Praxis bereits spürbare Konsequenzen nach sich ziehen. Mithilfe feingliedriger Wetter- und Bodendaten wollen wir unsere Züchtungsprodukte nun noch besser an die konkreten Bedürfnisse unserer einzelnen Landwirte anpassen und diese dabei noch individueller beraten. 

Wirtschaftsforum: Wie blicken Sie derweil auf die aktuelle Marktlage in der Landwirtschaft? 

Christian Gaisböck: Offen gestanden, mit einiger Besorgnis: Der Milchpreis steht so tief wie seit zehn Jahren nicht mehr, und auch die Marktpreise für Commoditys wie Getreide sind erschreckend schlecht. Doch trotz dieser Herausforderungen müssen die Betriebe weiterhin ihre turnusmäßigen Vorauszahlungen an die Finanzämter entrichten – Liquiditätsengpässe sind da vorprogrammiert. Wir tun unser Möglichstes, um unsere Kunden auch bei diesen Schwierigkeiten zu unterstützen, etwa indem wir auf unbürokratischem Wege passgenaue Zahlungsziele vereinbaren. 

Wirtschaftsforum: Aufgrund des Freihandelsabkommens mit den Mercosur-Staaten werden bisweilen sogar noch größere Verwerfungen erwartet. 

Christian Gaisböck: Da sehe ich lange nicht so schwarz wie andere – denn ich bin überzeugt, dass die Landwirtschaft in Deutschland auf einer starken Substanz aufbauen kann und dass wir uns somit in den nächsten Jahren auch gut an die veränderten Marktbedingungen anpassen können. Umso wichtiger wäre es, auf die geballte Schlagkraft in Europa zu setzen: Deutschland und Frankreich müssten einen deutlich stärkeren Dialog aufnehmen, und auch osteuropäische Länder wie Rumänien und Bulgarien böten dank ihrer exzellenten Flächenstrukturen erstklassige Möglichkeiten, um eine nachhaltige Ernährungssicherheit für den ganzen Kontinent zu gewährleisten. Im Moment fehlt es aber leider am politischen Willen, die mittelständisch geprägte Landwirtschaft fundamental zu stützen – denn auf den zunehmenden Flächenaufkauf durch Konzerne blicke ich mit weit größerer Sorge als auf das Mercosur-Abkommen. 

Wirtschaftsforum: Man könnte entgegnen, dass größere Strukturen bisweilen effizienter sind als die bäuerliche Landwirtschaft. 

Christian Gaisböck: Bäuerliche Landwirtschaft – das ist eher ein verklärender Begriff, der mit der Realität schon lange nichts mehr zu tun hat. Doch die mittelständisch geprägte Bewirtschaftung sollten wir uns auf jeden Fall erhalten; denn während Konzerne ganz auf eine kurzfristige Gewinnmaximierung aus sind, haben Familienbetriebe den langfristigen Erfolg über Jahre und Jahrzehnte im Blick – das ist auch volkswirtschaftlich gesünder. Und wenn ich mir die vielen organisationalen Doppelungen und Beratungsstrukturen in Konzernen vergegenwärtige, arbeitet jeder mittelständische landwirtschaftliche Betrieb doch wesentlich effizienter!

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern
Weniger Mitteleinsatz, mehr Ertrag

Interview mit Markus Heberger, Geschäftsführer der TIMAC AGRO Deutschland GmbH

Weniger Mitteleinsatz, mehr Ertrag

Die Landwirtschaft ist eine Branche voller Bewegung: Betriebe werden professioneller, die klimatischen Bedingungen verändern sich und der Anspruch an effiziente, nachhaltige Lösungen wächst. Wer Landwirte heute unterstützen will, muss ihre…

Mit Fleiß und Einsatz zum Franchise-Erfolg!

Interview mit Thomas Wilde, Geschäftsführer der Call a Pizza Franchise GmbH

Mit Fleiß und Einsatz zum Franchise-Erfolg!

Call a Pizza hat als Pizzalieferdienst Pionierarbeit im deutschen Takeaway-Markt geleistet. Heute setzt das Unternehmen auf ein starkes Franchisesystem, wobei den einzelnen Franchisenehmern viele Freiheiten bleiben – auch wenn Geschäftsführer…

Architektur, Technik und Sonnenschutz im Einklang

Interview mit Kurt Faltenbacher, Geschäftsführer der Faltenbacher Jalousienbau GmbH & Co. KG

Architektur, Technik und Sonnenschutz im Einklang

Steigende Temperaturen und hohe Anforderungen an die Energieeffizienz machen Sonnenschutz heute wichtiger denn je. Die Faltenbacher Jalousienbau GmbH & Co. KG steht für individuelle Sonnenschutzlösungen – von Raffstores und Markisen…

Frauengesundheit neu denken

Interview mit Christian Vierkant, Geschäftsführer der Theramex Germany GmbH

Frauengesundheit neu denken

Lange galt Frauengesundheit im Pharmamarkt als Randthema. Doch mit dem demografischen Wandel, wachsendem medizinischem Bewusstsein und neuen Therapien rückt sie zunehmend ins Zentrum strategischer Entscheidungen. Die Theramex Germany GmbH hat…

Repowering als Schlüssel für eine erfolgreiche Energiewende

Interview mit Prof. Dr. Werner Süss, CEO der NeXtWind Management GmbH

Repowering als Schlüssel für eine erfolgreiche Energiewende

Der Ausbau der erneuerbaren Energien gilt als zentrale Voraussetzung für Klimaschutz, Versorgungssicherheit und eine unabhängige Energieversorgung. Gleichzeitig erreichen viele der ersten Windanlagen aus den 1990er-Jahren das Ende ihres Lebenszyklus. Die…

„Wir wollen unternehmerische Handlungsfähigkeit sichern!“

Interview mit Alina Nauen, Geschäftsführerin der torq.partners Finance GmbH

„Wir wollen unternehmerische Handlungsfähigkeit sichern!“

Sowohl Start-ups als auch mittelständische Unternehmen benötigen bei der Erschließung neuer Kapitalquellen, etwa durch Venture Capital-Investoren, oftmals Unterstützung bei der Professionalisierung ihrer Finance-Strukturen: An dieser Stelle kann torq.partners auf jahrelange…

Für die Tiere, für die Umwelt

Interview mit Wouter Bronkhorst, Geschäftsführer der Gedizo Trading International B.V.

Für die Tiere, für die Umwelt

Die Gedizo Trading Inter­national B.V. steht für inno­vative Futtermittel, nach­haltiges Wachstum und eine starke Familienkultur. Geschäftsführer Wouter Bronkhorst setzt mit seinem Team auf CO2-neutrale Produktion, individuelle Mischungen und hohe Qualität.…

Mit Herz, Hand und Haltung

Interview mit Jochen Saacke, Geschäftsführer der Höhenberger Biokiste GmbH

Mit Herz, Hand und Haltung

Immer mehr Menschen legen Wert auf gesunde Ernährung, Nachhaltigkeit und Regionalität – gleichzeitig soll der Einkauf möglichst bequem sein. Biokisten verbinden diese Ansprüche: Frisches Obst, Gemüse und viele weitere Bio-Produkte…

Mehr Effizienz durch offene Agrarsysteme

Interview mit Robert Fraune, Geschäftsleiter der PTx Trimble GmbH und Associate VP der PTx OEM Solutions

Mehr Effizienz durch offene Agrarsysteme

Während viele Agrartechnologien Landwirte fest an einzelne Hersteller binden, setzt die PTx Trimble GmbH mit Sitz in Salzkotten bewusst auf Offenheit. Das Unternehmen entwickelt digitale Lösungen für den gesamten landwirtschaftlichen…

TOP