Auf der Schiene unterwegs in die Zukunft

Interview mit Philipp Müller, Inhaber und Präsident des Verwaltungsrates, der Wascosa AG

Wirtschaftsforum: Herr Müller, Wascosa agiert in einem sehr dynamischen Markt. Was unterscheidet das Unternehmen von Wettbewerbern?

Philipp Müller: Vor allem zeichnen wir uns durch unsere maßgeschneiderten Kundenlösungen aus. Inhabergeführt und vergleichsweise überschaubar von der Größe sind wir in der Lage, im Einzelfall schnell zu entscheiden und uns auf die individuellen Bedürfnisse der Kunden auszurichten. Im Gegensatz zu vielen Marktbegleitern denken wir in Gesamtlösungen und bieten Güterwagensysteme an. Unsere Lösungen gehen dabei über die reine Vermietung von Wagen hinaus. Produkte und Dienstleistungen rund um den Wagen werden immer wichtiger. Unsere Wagen sind modern und bieten wahlweise innovative Funktionen wie zum Beispiel Telematik, Sicherheitselemente oder moderne Be- und Entlademöglichkeiten. Wir haben den jüngsten Wagenpark von allen relevanten Anbietern Europas. Dieses Konzept runden wir mit kreativen, modernen, auf die Bedürfnisse der Kunden ausgerichteten Mietmodellen ab. Zusammengefasst, wir bieten unseren Kunden entlang der gesamten Wertschöpfungskette viele Services und Features aus einer Hand. So sind wir für unsere Kunden ein Partner auf Augenhöhe.

Wirtschaftsforum: Können Sie uns Beispiele für solch eine partnerschaftliche Zusammenarbeit nennen?

Philipp Müller: Seit 2007 engagieren wir uns bei der Entwicklung von modularen Konzepten, waren ab der ersten Idee mit im Boot. BASF hat vor einigen Jahren entschieden, von konventionellen Güterwagen auf modulare Wagenkonzepte umzustellen, mit abnehmbaren Aufbauten. Letztendlich war dies ein Produkt unserer gemeinsamen Entwicklungs- und Optimierungsarbeit, die zum Erfolg geführt hat. Ein weiteres Projekt ist die Entwicklung eines modernen Getreidewagens. Gemeinsam mit unserem Kunden haben wir ein völlig neues Wagendesign entwickelt und damit den performantesten Getreidewagen in ganz Europa entwickelt. Der Wagen hat rund 3 t weniger Eigengewicht als die Wagen anderer Anbieter. Das bedeutet mehr Zuladung und dadurch einen substanziellen Effizienzgewinn. Darüber hinaus hat der Wagen eine sehr bedienerfreundliche Be- und Entladevorrichtung, die zu einer hohen Akzeptanz in Europa geführt hat.

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielt die Digitalisierung bei solchen Projekten und für die Weiterentwicklung des Unternehmens?

Philipp Müller: 2015 waren wir ein First Mover am Markt, als wir gemeinsam mit einem anderen Dienstleister an unserem Asset Intelligence Day in Luzern die Telematik auf der Schiene salonfähig gemacht haben. Marktbegleiter wie die Deutsche Bahn folgten uns damals. Die Telematik ist ein entscheidender Baustein für die Digitalisierung der Schiene. Man kann zum Beispiel Transporte besser überwachen oder erwartete Ankunftszeiten noch präziser vorhersagen. Auch hier sind wir permanent auf der Suche nach Innovationen, mit denen wir den Einsatz der Wagen optimieren können. Auch das unterscheidet uns von vielen Marktbegleitern, die sich ausschließlich auf die reine Vermietung spezialisieren.

Wirtschaftsforum: Wascosa ist international aufgestellt. Was sind Ihre wichtigsten Kundengruppen und Märkte?

Philipp Müller: Zu unseren Kunden zählen Industriekunden, wie BASF oder Shell, die Wagen bei uns anmieten, sowie Bahngesellschaften wie die Deutsche Bahn. Vereinzelt gehören auch Bahnspeditionen zu unseren Kunden. Geografisch gesehen, ist Deutschland nach wie vor unser größter Markt und das wird wohl auch weiterhin so bleiben. Grundsätzlich möchten wir in all unseren Märkten wachsen. Für die kommenden Jahre werden die DACH-Region sowie West- und Osteuropa wichtig bleiben. Auch in England und Spanien sind wir aktiv und sehen Potenzial. Insgesamt sind wir in mehr als 20 Ländern Europas präsent.

Wirtschaftsforum: Herr Müller, Sie selbst haben vor fast 30 Jahren die Nachfolge im Familienunternehmen angetreten. Worauf fußt Ihrer Meinung nach der Erfolg von Wascosa?

Philipp Müller: Die Basis für unseren Erfolg sind vor allem unsere kompromisslose Kundenorientierung, unsere Innovationskraft und unser Wille, uns stetig zu verbessern. Unser Geschäftserfolg sind unsere zufriedenen Kunden. Häufig nehmen wir Veränderungen, neue Trends und Bedürfnisse eher wahr als andere Anbieter und können entsprechend früher Lösungen anbieten. 1996 waren wir eine der ersten 1.000 Schweizer Firmen, die eine eigene Website hatten. Wir waren unserer Zeit damals deutlich voraus. Bis der nächste Marktbegleiter eine Website hatte, dauerte es noch ganze fünf Jahre. Wir haben Freude und Interesse an Innovationen und Fortschritt.

Wirtschaftsforum: Welche Pläne und Innovationen haben Sie sich für das Jahr 2021 vorgenommen?

Philipp Müller: Die Digitalisierung treibt uns voran. Wir möchten in drei Jahren unsere digitale Transformation vollendet haben und dabei auch hier dem Markt einen Schritt voraus sein. Die Digitalisierung eröffnet uns zahlreiche Chancen, für die Optimierung der Prozesse und unseres Geschäftsmodells. Wir möchten auch unsere erfolgreiche Arbeit und unsere Marktposition für den weiteren Ausbau des Vermietungsgeschäfts nutzen und hier unser Volumen erhöhen.

Wirtschaftsforum: Welche langfristigen Ziele haben Sie sich für Wascosa vorgenommen?

Philipp Müller: Aktuell diskutieren wir mit unserer dritten Familiengeneration die Nachfolge. Wir möchten kontinuierlich die Wagenzahl steigern, auf 25.000 bis 30.000 Wagen, streben dabei aber ein werteorientiertes Wachstum an. In den vergangenen Jahren war unser Leitgedanke, dass das Kundeninteresse wichtiger ist als unser Eigeninteresse. Das soll auch in Zukunft so bleiben, denn nur über zufriedene Kunden können wir langfristig unseren geschäftlichen Erfolg sicherstellen.

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern
Die neue Intelligenz der Intralogistik

Interview mit Andreas Lindemann, Geschäfts­führer der NEURA Mobile Robots GmbH

Die neue Intelligenz der Intralogistik

Ob Industrie, Logistik oder Gesundheitswesen: Die effiziente Steuerung innerbetrieblicher Materialflüsse wird für Unternehmen immer mehr zum Wettbewerbsfaktor. Moderne Transportrobotik schafft hier neue Möglichkeiten, Prozesse sicherer, flexibler und wirtschaftlicher zu gestalten.…

Der innovative Logistikdienstleister für die Baumarktversorgung der Schweizer LANDI Läden

Interview mit Daniel Thomann, Geschäftsführer der LahrLogistics GmbH

Der innovative Logistikdienstleister für die Baumarktversorgung der Schweizer LANDI Läden

Zunehmende Warenströme, wachsende Anforderungen an Lieferketten und der Ruf nach mehr Effizienz verändern die Logistikbranche rasant. Die LahrLogistics GmbH hat diesen Wandel früh erkannt und sich in nur zehn Jahren…

Projektlogistik mit ganzheitlichem Ansatz

Interview mit Julia Zureck, Prokuristin der Zureck Logistik GmbH

Projektlogistik mit ganzheitlichem Ansatz

Die Logistikbranche wandelt sich rasant – klassische Transporte allein reichen längst nicht mehr aus. Immer komplexere Projekte, steigende Anforderungen an Infrastruktur und Genehmigungen erfordern neue Herangehensweisen. Die Zureck Logistik GmbH…

Wenn aus Ambition Wirklichkeit wird

Interview

Wenn aus Ambition Wirklichkeit wird

Der Blick auf jede einzelne Uhr der Marke Carl F. Bucherer, welche die Manufaktur der Bucherer Montres S.A. verlässt, beweist es. "Unser Anspruch ist es, die emotionalen und technischen Anforderungen,…

Trend zu individuellen Lösungen

Interview mit Rolf Nussbaumer, Chief Technical Officer der SCHURTER AG

Trend zu individuellen Lösungen

„Viele Menschen haben sicherlich ein Produkt von uns im Haus“, sagt Rolf Nussbaumer, Chief Technical Officer der SCHURTER AG. „Nur wissen sie es nicht.“ Das verwundert nicht, denn das Familienunternehmen…

Intelligenz ist die Fähigkeit, sich neu zu erfinden

Interview mit Prof. Dr. Dr-Ing. Gustavo Möller-Hergt, CEO der ALSO Holding AG

Intelligenz ist die Fähigkeit, sich neu zu erfinden

Für Prof. Dr. Dr-Ing. Gustavo Möller-Hergt, CEO des Technologie-Providers ALSO, steht fest: Corona wird die Welt verändern. Der Chef des börsennotierten Unternehmens mit weltweit über 4.000 Beschäftigten und einem Umsatz…

Weniger Mitteleinsatz, mehr Ertrag

Interview mit Markus Heberger, Geschäftsführer der TIMAC AGRO Deutschland GmbH

Weniger Mitteleinsatz, mehr Ertrag

Die Landwirtschaft ist eine Branche voller Bewegung: Betriebe werden professioneller, die klimatischen Bedingungen verändern sich und der Anspruch an effiziente, nachhaltige Lösungen wächst. Wer Landwirte heute unterstützen will, muss ihre…

Vision trifft Automation

Interview mit Roland Jenning, Geschäftsführer der inos Automationssoftware GmbH

Vision trifft Automation

In der industriellen Automatisierung steigen die Anforderungen an Effizienz, Präzision und Qualität kontinuierlich. Produkte müssen nicht nur schnell, sondern auch fehlerfrei und reproduzierbar gefertigt werden. Vor diesem Hintergrund gewinnen innovative…

Mit Fleiß und Einsatz zum Franchise-Erfolg!

Interview mit Thomas Wilde, Geschäftsführer der Call a Pizza Franchise GmbH

Mit Fleiß und Einsatz zum Franchise-Erfolg!

Call a Pizza hat als Pizzalieferdienst Pionierarbeit im deutschen Takeaway-Markt geleistet. Heute setzt das Unternehmen auf ein starkes Franchisesystem, wobei den einzelnen Franchisenehmern viele Freiheiten bleiben – auch wenn Geschäftsführer…

TOP