E-Sport als Treiber neuer Geschäftsmodelle

Interview mit Stefan Beitz, CFO der ESL FACEIT Group GER GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Beitz, Sie sind seit mehreren Jahren Teil der ESL FACEIT Group. Wie sind Sie zum Unternehmen gekommen und was hat Sie an der Aufgabe gereizt?

Stefan Beitz: Ich bin 2020 zur damaligen ESL gestoßen, nachdem ich zuvor mehr als zehn Jahre im Entertainment-Umfeld tätig gewesen war. Mich hat vor allem gereizt, in einen Markt zu wechseln, der stark wächst und sich gleichzeitig strukturell noch entwickelt. Der E-Sport vereint Technologie, Medien, Live-Erlebnisse und Community. Mit der späteren Zusammenführung von ESL und FACEIT hat sich diese Perspektive weiter geschärft, weil wir damit sowohl die organisatorische als auch die digitale Seite der Branche abdecken konnten.

Wirtschaftsforum: Ein zentraler Meilenstein war die Fusion von ESL und FACEIT. Welche Bedeutung hatte dieser Schritt für die Entwicklung der Gruppe?

Stefan Beitz: Die Fusion im Jahr 2022 war der entscheidende Wendepunkt. Wir haben den weltweit größten Turnierveranstalter mit einer führenden digitalen Wettbewerbsplattform zusammengeführt. Seitdem hat sich die Gruppe in ihrer Größe etwa verdreifacht. Gleichzeitig konnten wir Kompetenzen, Technologien und Marktrollen bündeln und damit eine Struktur schaffen, die den E-Sport ganzheitlich abbildet – von der Community bis zum globalen Spitzenevent.

Wirtschaftsforum: Wie ist das Unternehmen organisatorisch aufgestellt?

Stefan Beitz: Wir arbeiten global, aber sehr bewusst strukturiert. Unser formeller Hauptsitz ist London, wichtige Standorte sind unter anderem Köln, Schweden, Polen, die USA, Asien und Saudi-Arabien. Insgesamt beschäftigt die ESL FACEIT Group heute rund 900 Mitarbeitende weltweit. Ein zentrales Element unserer Organisation sind globale Production Hubs, über die wir viele Formate remote produzieren und Know-how gezielt bündeln. Strategische Kernkompetenzen wie Produkte, Plattformen, Partnerschaften und technologische Entwicklung halten wir konsequent inhouse, während austauschbare oder stark repetitive operative Event-Leistungen extern vergeben werden. Das ermöglicht Skalierbarkeit bei gleichbleibender Qualität.

Wirtschaftsforum: E-Sport wird häufig noch als Nische wahrgenommen. Wie schätzen Sie den Markt heute ein?

Stefan Beitz: E-Sport ist längst ein etablierter, globaler Markt mit erheblicher wirtschaftlicher Relevanz. Wir sprechen von einer Branche, die Milliardenwerte schafft und sich als fester Bestandteil der Medien- und Entertainmentindustrie etabliert. Entscheidend ist für uns eine nachhaltige Entwicklung: stabile Marktstrukturen, langfristige Community-Bindung und kein kurzfristiges Denken in Hypes.

Wirtschaftsforum: Wie sieht Ihr Geschäftsmodell konkret aus?

Stefan Beitz: Unser Modell vereint mehrere Ebenen. Auf der einen Seite stehen internationale Live-Events und Turnierserien mit Sponsoring- und Medienpartnerschaften. Auf der anderen Seite steht FACEIT als digitale Plattform, die sich gezielt an ambitionierte Nicht-Profis richtet. Dort ermöglichen wir einen strukturierten Entwicklungspfad vom Amateur- zum Profibereich, unter anderem über skalierbare Subscription-Modelle. Diese Verbindung aus digitaler Infrastruktur und Live-Erlebnis macht unser Geschäftsmodell besonders tragfähig.

Wirtschaftsforum: Welche Rolle nehmen Sie innerhalb des E-Sport-Ökosystems ein?

Stefan Beitz: Wir sehen uns im Zentrum des globalen E-Sport-Ökosystems. Wir verbinden Publisher, Teams, Spieler, Plattformen, Marken und Medienpartner. Diese Position ist über viele Jahre gewachsen und erlaubt es uns, mehrere Großveranstaltungen parallel umzusetzen – etwa die Call of Duty League in den USA, die ESL Saudi Challenge in Riad, die Apex Legends Global Series in Japan sowie die IEM in Krakau innerhalb derselben Woche. Diese operative Leistungsfähigkeit prägt den Markt spürbar; viele Entwicklungen orientieren sich an dem, was wir strukturell vorgeben.

Wirtschaftsforum: Wer gehört zur Zielgruppe Ihrer Angebote – und wie verändert sich diese Zielgruppe?

Stefan Beitz: Historisch ist E-Sport stark jung und männlich geprägt. Gleichzeitig wächst die Zielgruppe mit den Generationen. Heute kommen Eltern gemeinsam mit ihren Kindern zu unseren Events. Formate wie DreamHack sind bewusst anders positioniert als klassische Elite-Turniere: als Lifestyle-Festivals mit Gaming, Community, Cosplay und Messecharakter. Dort sehen wir ein deutlich ausgeglicheneres Geschlechterverhältnis und eine generationenübergreifende Ansprache.

Wirtschaftsforum: Wo sehen Sie die ESL FACEIT Group strategisch in den kommenden Jahren?

Stefan Beitz: Wir haben in den vergangenen Jahren eine sehr stabile Basis geschaffen – organisatorisch, technologisch und kulturell. Darauf wollen wir gezielt aufbauen. Regional sehen wir großes Potenzial im Mittleren Osten, in Südostasien und in Indien. Inhaltlich entwickeln wir unser Portfolio weiter in Richtung Erlebnis- und Lifestyleformate. Gleichzeitig zeigt sich zunehmend, dass auch nicht-endemische Marken E-Sport strategisch nutzen, etwa für Employer Branding und Recruiting. Unser Anspruch ist es, als verlässliches Rückgrat der Branche zu agieren und den Markt nachhaltig mitzugestalten.

ESL FACEIT Group GER GmbH
Schanzenstraße 23
51063 Köln
Deutschland
+49 221 8804490
info@efg.gg
​​​​​​​www.eslfaceitgroup.com

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