Ein Stück Indien mitten in Deutschland

Interview mit Kanwal Gill, Geschäftsführer der DOORI Betriebsgesellschaft mbH

Wirtschaftsforum: Herr Gill, Sie haben DOORI 2015 mit zwei Freunden gegründet – als Quereinsteiger. Wie kam es dazu?

Kanwal Gill: Ich habe ursprünglich BWL studiert und meinen Master in Immobilien gemacht, war dann einige Jahre in einer Bank tätig – und habe irgendwann gemerkt, dass mich das nicht erfüllt. Meine beiden Freunde, Maximilian Wolf und Philipp Müller-Trunk, und ich teilen eine Leidenschaft für gutes Essen, Reisen und Gastfreundschaft. Während meines Studiums in London habe ich gesehen, wie moderne Restaurantketten die indische Küche neu interpretierten. Diese Idee hat mich nicht mehr losgelassen: Wir wollten das Gefühl von Zuhause – dieses gemeinschaftliche, herzliche Essen miteinander – in ein modernes, urbanes Konzept übersetzen.

Wirtschaftsforum: Und das ist Ihnen gelungen – inzwischen betreiben Sie deutschlandweit mehrere Standorte.

Kanwal Gill: Genau, im Februar 2025 werden es elf Restaurants sein, unter anderem in Frankfurt, Köln, Düsseldorf, Mainz, Stuttgart und Berlin. Wir sind stolz darauf, dass wir als Marke gewachsen sind, ohne unsere DNA zu verlieren: authentische indische Küche in einem modernen Setting. Ich glaube, das ist auch unser Erfolgsrezept – diese Verbindung aus Tradition und klarer, moderner Ästhetik.

Wirtschaftsforum: Wie gelingt es Ihnen, gutes Personal zu finden – gerade in Zeiten des Fachkräftemangels?

Kanwal Gill: Das ist in der Tat eine der größten Herausforderungen. Wir haben aber früh entschieden, das Thema Personal zur Chefsache zu machen. Ich führe mit jedem neuen Mitarbeiter persönlich ein Gespräch – entweder zu Beginn oder in der Probezeit. Außerdem stellen wir unsere Köche direkt aus Indien ein und kümmern uns um alles – von den Visa bis zur Wohnung. Seit Januar 2025 haben wir auch die ersten Azubis und Servicekräfte aus Indien bei uns. Das ist für beide Seiten eine Win-win-Situation: Die Mitarbeiter bringen ein unglaubliches Know-how und echtes Hospitality-Verständnis mit, und wir bieten ihnen eine sichere Perspektive. Sprachlich unterstützen wir sie über eine Kooperation mit einer Frankfurter Sprachschule.
Unsere Philosophie ist, Talente von innen heraus aufzubauen. Viele unserer heutigen Betriebsleiter haben als Kellner oder Küchenhilfe begonnen. Diese Entwicklung zu fördern, gehört zu unserer Kultur.

Wirtschaftsforum: Was zeichnet die indische Küche aus – und wie übersetzen Sie sie für den deutschen Markt?

Kanwal Gill: Indische Küche ist unglaublich vielfältig. Es gibt nicht das eine Gericht, sondern eine ganze Welt an Gewürzen, Aromen und vegetarisch-veganen Möglichkeiten. Wir sprechen hier über eine Küche, die zu 70% fleischlos ist – das passt perfekt in die Zeit. Viele unserer Gäste sind Flexitarier, die vielleicht nur ein- oder zweimal pro Woche Fleisch essen.
Natürlich müssen wir den Schärfegrad etwas anpassen (lacht), aber geschmacklich bleiben wir zu 100% authentisch. Jede eatDOORI-Filiale hat ihr eigenes Garam Masala, eine Hausrezeptur aus verschiedenen Gewürzen – das ist unsere kleine Magie. Gleichzeitig sind wir kreativ und probieren Neues aus, bringen Fusion-Elemente ein und entwickeln eigene Gerichte. Wir wollen nicht als traditionell, sondern als modern indisch wahrgenommen werden.

Wirtschaftsforum: Sie haben in den letzten Jahren auch digital stark aufgerüstet. Was bedeutet das konkret?

Kanwal Gill: Wir nutzen Self-Order-Terminals in unseren Deli-Formaten – das hat sich als echter Umsatztreiber erwiesen. Gäste sehen das Essen auf dem Bildschirm und entscheiden sich öfter spontan für ein Getränk oder Dessert dazu. Außerdem arbeiten wir an einer App-basierten Schulungssoftware, mit der wir unsere Mitarbeitenden effizienter schulen können. Aktuell prüfen wir sogar den Einsatz von Robotics in der Küche – also automatisierten Prozessen für bestimmte Gerichte. Gerade unsere soßenbasierten Currys eignen sich gut dafür. Das Ziel ist nicht, Menschen zu ersetzen, sondern Abläufe zu vereinfachen und Qualität zu sichern.

Wirtschaftsforum: Wohin soll sich DOORI in den nächsten Jahren entwickeln?

Kanwal Gill: Wir wollen weiter wachsen – bis 2030 auf 30 Standorte. Parallel dazu möchten wir unser Cateringgeschäft ausbauen und mit Ready-to-Eat-Produkten in den Lebensmitteleinzelhandel gehen. Außerdem arbeiten wir an neuen Konzepten wie ‘Tali by eatDOORI’ – einer Delivery-Marke, die sich auf indische Bowls konzentriert. Aber bei allem Wachstum bleibt unser wichtigstes Ziel: die Gäste wieder stärker in die Restaurants zu bringen. Viele Menschen gehen seltener essen, weil das Geld knapper geworden ist. Wir wollen ihnen wieder zeigen, wie schön es ist, gemeinsam an einem Tisch zu sitzen, gutes Essen zu teilen und echte Gastfreundschaft zu erleben. Das ist unsere Mission.

Wirtschaftsforum: Was ist für Sie der Kern Ihrer Marke – das, was DOORI ausmacht?

Kanwal Gill: Ganz klar: Menschlichkeit. Wir sind Gastgeber. Wir möchten, dass sich jeder willkommen fühlt – egal ob im Restaurant, beim Catering oder online. Diese Herzlichkeit, dieses Gefühl von Gemeinschaft – das ist für mich das Herzstück von DOORI. Technik, Wachstum, Effizienz – all das ist wichtig. Aber am Ende des Tages zählt: Der Mensch steht im Mittelpunkt.

DOORI Betriebsgesellschaft mbH
Kaiserstraße 55
60329 Frankfurt am Main
Deutschland
Tel.: +49 69 236951
info@eatdoori.com
www.eatdoori.com

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