Komponenten aus Hochleistungskunststoffen, die ‘mehr’ können

Interview mit Dr. Sandro J. Silverio, Geschäftsführer der GAPI Technische Produkte GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Dr. Silverio, das Unternehmen gehört seit 2000 zur GAPI Group. Wie hat die Integration in die Gruppe die Entwicklung des Geschäftes beeinflusst?

Dr. Sandro J. Silverio: Die anderen Unternehmen unserer Gruppe sind spezialisiert auf die Verarbeitung von Elastomeren, PTFE, und Hightech-Polymeren. Sie gehören bei speziellen Industrieanwendungen zu den führenden Anbietern von Dichtungslösungen aus Elastomer-, PTFE-, TPU- und thermoplastischen Werkstoffen. Vor der Übernahme hat das Unternehmen, damals noch unter dem Namen Polypenco, viel PTFE sowie verschiedene Kunststoffarten gemacht. Dann hat man sich aber auf ein exotisches Material konzentriert, das sehr schwer zu verarbeiten, aber extrem leistungsfähig ist: auf PAI. Der Markenname ist Torlon®. Komponenten und Dichtungslösungen aus diesem einzigartigen Material haben hervorragende Eigenschaften und dies bei extrem hohen und sehr tiefen Temperaturen. Es gibt verschiedene Arten und Typen von diesem Material. Wir haben das Know-how, Torlon® zu verarbeiten, haben sogar einen eigenen Werkzeugbau. Wir beherrschen alle technischen Themen rund um den Werkstoff und die Komponenten und kennen sehr gut die speziellen Anwendungen. Damit sind wir ein Nischenplayer unter den Kunststoffherstellern. In unserer Nische sind wir der weltweit größte spritzgießtechnische Verarbeiter von Torlon®. Wir fokussieren uns auf die Herstellung von Komponenten, überwiegend für die Automobilindustrie. Neben Torlon® bieten wir noch Komponenten aus PEEK und PPS an. Torlon® allerdings macht uns einzigartig.

Wirtschaftsforum: Wie haben sich die Krisen der vergangenen Jahre auf Ihr Geschäft ausgewirkt?

Dr. Sandro J. Silverio: Die Jahre 2018 bis 2019 waren sehr gute Jahre für uns. Dann kamen die Krisen. Diese haben wir stark gespürt. Seit 2022 steigt der Umsatz wieder. Dieses Jahr verzeichnen wir sogar ein zweistelliges Umsatzwachstum. Unsere Hauptkunden sind die OEMs, darunter Daimler Truck, Mercedes Benz, oder VW, aber auch Tier-1-Zulieferer, zum Beispiel ZF, der größte Getriebehersteller in Europa. Wir haben auch einzelne Industriekunden. Aber hauptsächlich fokussieren wir uns auf die Automotive-Branche. Danach haben wir unsere Prozesse ausgerichtet.

Wirtschaftsforum: Was sind die wichtigsten Produktkategorien der GAPI Technische Produkte GmbH?

Dr. Sandro J. Silverio: Unser Geschäft stützt sich auf drei Produktgruppen. Hochbelastbare Dichtungsringe, besonders stabile Anlaufscheiben, welche selbst Metallkomponenten ersetzen können, und L-Lager, welche in Viskositätsdämpfer zur Abmilderung von Schwingungen eingesetzt werden. Auf diese drei Linien fokussieren wir uns. Wir werden in Zukunft nur noch Baugruppen und Komponenten aus Hochleistungskunststoffen herstellen.

Wirtschaftsforum: Was unterscheidet die GAPI Technische Produkte GmbH von anderen Anbietern am Markt?

Dr. Sandro J. Silverio: Unsere Uniqueness basiert auf verschiedenen Faktoren. Wir sind ein Familienunternehmen und können schnell reagieren. Durch unseren eigenen Werkzeugbau kontrollieren wir die Qualität, sind gleichzeitig auch flexibel. Wir investieren immer ins Wesentliche, wie zum Beispiel in moderne Technologien.

Wirtschaftsforum: Wie gehen Sie mit dem Thema Nachhaltigkeit um?

Dr. Sandro J. Silverio: Nachhaltigkeit ist ein sehr wichtiges Thema. Auch hier können wir mit unseren Produkten punkten. Unsere Materialien haben, was den CO2-Ausstoß angeht, große Vorteile gegenüber anderen Materialien, ebenso einen niedrigeren Energieverbrauch. Die Kunden legen großen Wert darauf, denn sie möchten keine CO2-Zertifikate kaufen. Wir setzen uns intensiv mit diesem Thema auseinander und wählen unsere Materialien sehr sorgfältig aus. Wir versuchen, Energie zu sparen, wo immer es möglich ist.

Wirtschaftsforum: Was bedeutet die digitale Transformation für Ihr Unternehmen?

Dr. Sandro J. Silverio: In unserem Markt ist Industrie 4.0 ein geflügeltes Wort. Meiner Meinung nach ist der Begriff Digitalisierung passender. Man muss die einzelnen Komponenten der Industrie 4.0 nutzen, um besser und wettbewerbsfähiger zu werden. Industrie 4.0 macht Stückzahl 1 möglich. IT muss man heute anders betrachten als früher. Früher war IT eine Abteilung, heute ist es eine strategische Komponente. Smarte Produkte sind ein Stichwort der Industrie 4.0, zum Beispiel der Einbau von Sensoren für die Fernüberwachung, ein anderer Aspekt ist der E-Commerce.

Wirtschaftsforum: Was sind Ihre Pläne für die nächste Zeit?

Dr. Sandro J. Silverio: Wir werden neue Werkstoffe auf den Markt bringen. Aktuell sind wir für das Jahr 2024 schon gut ausgebucht. Das Thema Fachkräftemangel wird uns weiter beschäftigen. Es gewinnt immer der mit der besten Mannschaft. Entsprechend werden wir uns hier aufstellen.

GAPI Technische Produkte GmbH
Hans-Böckler-Straße 14
51503 Rösrath
Deutschland
+49 2205 9049410
www.gapi.de

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