Sicherheit ist kein Dokument

Interview mit Dr. Serkan Tavasli, Geschäftsführer der proXcel GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Dr. Tavasli, wie ist proXcel entstanden und was hat Sie in diese Branche geführt?

Dr. Serkan Tavasli: Die Idee ist tatsächlich im Studium entstanden. Mein Mitgründer Bülent Erwerle und ich haben uns in der ersten Vorlesung kennengelernt, seitdem sind unsere Wege parallel verlaufen. 2008 haben wir gemeinsam gegründet – ursprünglich mit Fokus auf Prozess-, Organisations- und IT-Beratung. Erst später haben wir uns strategisch neu ausgerichtet und bewusst in Richtung Cybersecurity entwickelt, weil wir dort einen echten Bedarf und auch eine besondere Verantwortung gesehen haben.

Wirtschaftsforum: Was genau macht proXcel heute?

Dr. Serkan Tavasli: Im Kern helfen wir Unternehmen, ihre Managementsysteme für Informationssicherheit nach anerkannten Standards strukturiert aufzubauen und weiterzuentwickeln. Dazu kommen Themen wie Geheimschutz, Business Continuity Management sowie die Umsetzung von regulatorischen Anforderungen wie NIS2 oder CRA. Wichtig ist uns dabei immer: Es geht nicht um Lösungen auf Papier, sondern darum, dass Organisationen im Ernstfall handlungsfähig bleiben.

Wirtschaftsforum: Cybersecurity ist ein komplexes Thema. Wie schaffen Sie es, Unternehmen dafür zu sensibilisieren?

Dr. Serkan Tavasli: Man muss die Perspektive wechseln. Es geht nicht nur um Technik oder Vorschriften. Es reicht nicht aus, nur Firewalls in der IT einzusetzen oder regelmäßig Pentests durchzuführen. Angesichts der zunehmenden Bedrohungslage muss Sicherheit die Resilienz von Unternehmen stärken und Überlebensfähigkeit im Ernstfall sichern. Organisationen müssen befähigt werden, Cyber-Krisen nicht nur technisch, sondern operativ und strukturell zu überstehen. Es geht darum, Risiken zu verstehen und Verantwortung zu übernehmen – für das eigene Unternehmen, aber auch für die Gesellschaft.

Wirtschaftsforum: Ihr Unternehmen ist stark gewachsen. Was war dafür entscheidend?

Dr. Serkan Tavasli: Aus meiner Sicht vor allem Fachlichkeit und Haltung. Wir bringen eine „Gummistiefel-Mentalität“ mit – also Pragmatismus, Umsetzungsbereitschaft und keine Scheu vor anspruchsvollen Situationen. Das bedeutet für uns: nah an den Menschen, nah an den Prozessen und nah an der Realität unserer Kunden zu arbeiten. Gerade in regulierten und sicherheitskritischen Umfeldern braucht es Beratung, die Komplexität nicht nur analysiert, sondern handhabbar macht. Unser Wachstum ist zugleich Ausdruck des Vertrauens unserer Kunden, die genau diese Art der Zusammenarbeit suchen und schätzen. Heute sind wir über 80 Mitarbeitende in ganz Deutschland.

Wirtschaftsforum: Was unterscheidet proXcel von anderen Anbietern?

Dr. Serkan Tavasli: Wir denken nicht in Problemen, sondern in Lösungen. Viele Unternehmen stehen unter starkem regulatorischem Druck – und produzieren dabei vor allem Dokumentation. Doch Papier allein schafft keine Sicherheit. Entscheidend ist die Umsetzung. Genau dort setzen wir an: pragmatisch, effizient  und mit klaren Best Practices. Sicherheit muss am Ende funktionieren – nicht nur beschrieben sein. Kontinuität ist dabei sehr wichtig.  Viele Kunden begleiten wir seit Jahren, weil wir nicht beraten und verschwinden, sondern langfristig mitgestalten.

Wirtschaftsforum: Welche Herausforderungen sehen Sie aktuell im Markt?

Dr. Serkan Tavasli: Die größte ist die Balance zwischen Regulierung und wirtschaftlicher Realität. Unternehmen müssen investieren, oft in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten. Gleichzeitig sehen sie den Nutzen nicht sofort, weil Sicherheit ja bedeutet, dass nichts passiert. Das ist schwer zu vermitteln. Hinzu kommen neue Themen wie KI – enorme Chancen, aber auch neue Risiken. Wer das ignoriert, riskiert, den Anschluss zu verlieren.

Wirtschaftsforum: Was treibt Sie persönlich als Unternehmer an?

Dr. Serkan Tavasli: Ich wollte immer ein Umfeld schaffen, in dem Menschen gerne arbeiten. Ein Ort, der sich ein Stück weit wie Zuhause anfühlt, wo nicht nur die fachliche Zusammenarbeit funktioniert, sondern auch die Qualität des Miteinanders. Wir verbringen so viel Zeit im Job – dann sollte diese Zeit Sinn haben. Ich sage gern: Ein Unternehmen braucht auch eine Seele. Das geht nur mit einer besonderen Haltung und einer besonderen Kultur.

Wirtschaftsforum: Wohin soll sich proXcel in Zukunft entwickeln?

Dr. Serkan Tavasli: Wir wollen weiter wachsen, nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ. Entscheidend für uns ist, dass wir weiterhin echten Mehrwert schaffen – für unsere Kunden und letztlich auch für unsere Gesellschaft. Sicherheit ist eben kein Dokument – sie muss in der Praxis funktionieren. Daran messen wir uns. Das bedeutet für uns: weitere Fokussierung und Spezialisierung in unseren Kernthemen und Menschen für uns gewinnen, die Teil unserer Reise bzw. unserer Berufung sein möchten.

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