„Wenn die Geschichte stimmt, ist die Brille schon verkauft“

Interview mit Bernhard Wolf, Geschäftsführer der rolf.produktions gmbh

Wirtschaftsforum: Herr Wolf, wie hat sich Ihr Unternehmen entwickelt?

Bernhard Wolf: Wir sind ein Familienunternehmen, gestartet 2009, wobei die eigentliche Entwicklungsarbeit schon zwei Jahre vorher begonnen hat. Uns war früh klar: Wir wollen kein bestehendes Produkt kopieren, sondern etwas machen, das es so noch nicht gibt. Holzbrillen waren damals kaum industrialisiert herstellbar. Genau da sind wir eingestiegen. Wir hatten schnell Erfolg, haben einen großen Branchenpreis gewonnen und sind stark gewachsen. Als dann viele Nachahmer kamen, hat sich gezeigt, wer wirklich Substanz hat – heute sind wir einer der wenigen, die konsequent geblieben sind.

Wirtschaftsforum: Ihre Produkte sind hochpreisig. War das eine bewusste Strategie?

Bernhard Wolf: Absolut. Wir wollten oben anfangen. Eine Holzbrille liegt bei rund 950 EUR, eine Steinbrille bei etwa 2.450 EUR. Das ist natürlich ein kleiner Markt. Aber wenn man eine Marke aufbauen will, braucht man eine klare Position. Später haben wir bewusst ein zugänglicheres Produkt entwickelt, um mehr Menschen zu erreichen – ohne unsere Philosophie zu verlieren.

Wirtschaftsforum: Was zeichnet Ihre Produkte heute aus?

Bernhard Wolf: Für uns bedeutet „clever“ vor allem: einfach gedacht, gut gemacht. Unsere 3D-gedruckten Brillen bestehen aus fünf Teilen, ohne Schrauben oder Metall. Das macht die Produktion effizient. Gleichzeitig produzieren wir in Österreich – das ist für viele Händler ein starkes Argument. Und am Ende geht es darum, dass die Brille leicht ist, gut sitzt und lange getragen werden kann.

Wirtschaftsforum: Sie sprechen viel von Philosophie. Was steckt dahinter?

Bernhard Wolf: Nachhaltigkeit ist für uns kein Schlagwort. Nachhaltigkeit heißt: ein stabiles Team, regionale Produktion und keine Überproduktion. Wir haben kein Lager – wir produzieren nur, was bestellt wird. Das kostet uns manchmal Umsatz, weil wir nicht sofort liefern können. Aber es ist die ehrlichere Art zu wirtschaften.

Wirtschaftsforum: Wie haben Sie die Krisen der letzten Jahre erlebt?

Bernhard Wolf: Es war eine intensive Zeit. Während Covid hatten wir fertige Produkte, aber keinen Zugang zum Markt. Also haben wir 120 Kunden ein Paket geschickt – ohne Termin, einfach mit Vertrauen. 100 davon haben die Kollektion übernommen.
Das hat uns gezeigt: Wenn Produkt und Geschichte stimmen, funktioniert es auch in schwierigen Zeiten.

Wirtschaftsforum: Wo stehen Sie heute im Wettbewerb?

Bernhard Wolf: In der Branche sind wir klein – ein Wimpernschlag neben den großen Konzernen. Aber wir sind eine unabhängige Marke im Premiumsegment.
Wichtig ist uns nicht, überall zu sein, sondern bei den richtigen Partnern. Händler müssen verstehen, wofür wir stehen.

Wirtschaftsforum: Welche Themen treiben Sie aktuell um?

Bernhard Wolf: Innovation bleibt zentral – etwa durch neue Kollektionen oder den Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Gleichzeitig merken wir, dass Märkte unterschiedlich funktionieren. Frankreich braucht andere Designs als Deutschland, Asien andere Passformen. Und dann ist da noch ein Thema, das uns wirklich beschäftigt: Bürokratie. Die kostet Zeit, Geld und oft auch Innovationskraft.

Wirtschaftsforum: Was überzeugt Ihre Kunden letztlich?

Bernhard Wolf: Die Geschichte. Wenn ein Händler ehrlich erzählen kann, wo das Produkt herkommt und wie es gemacht wird, dann ist die Entscheidung oft schon gefallen. Natürlich muss die Brille gut aussehen und funktionieren – aber Emotion und Vertrauen sind entscheidend.

Wirtschaftsforum: Was treibt Sie persönlich an?

Bernhard Wolf: Die Menschen. Ich gehe gerne in die Arbeit, weil ich dort gute Leute treffe. Am Ende geht es immer um Beziehungen – zu Mitarbeitern, zu Kunden, zu deren Kunden. Wir brauchen keine künstlichen Geschichten. Wir haben genug echte.

rolf.produktions GmbH
Mühlbachweg 6
6671 Weißenbach
Österreich
+43 5678 20077
office@rolf-spectacles.com
www.rolf-spectacles.com

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