„Wir haben die richtigen Leute und wir haben das Know-how!“

Interview mit Jörg Anderl, Prokurist, Technischer Leiter und Herbert Bender, Geschäftsführer der Selectrona GmbH

„Wir haben die richtigen Leute, denn kein Geld kann Menschen ersetzen, und wir haben das Know-how“, freut sich Herbert Bender, Geschäftsführer der Selectrona GmbH. „In unserer Region leben Menschen, die sich gerne in komplexen Themen engagieren. Das kommt uns zugute.“

Engagement und Wissen sind auch nötig, denn Selectrona liefert zu 90% Teile für die Automobilindustrie. Die TIER-1-Kunden bekommen von Selectrona kunststoffumspritzte Leiterbahnen, Kunststoff-Metall-Verbindungen sowie 2K- und 3K-Kunststoffverbindungen, Stator/Rotor-Umspritzungen, Gehäuse mit mehrfachen Inserts, freifallende Kunststoffteile und Kabelumspritzungen.

Neben der Automobilindustrie bedient das Unternehmen aber auch andere Branchen wie allgemeine Industrie und Haushaltsindustrie sowie Hersteller von Hausgeräten und Haustechnik. „Grundsätzlich liefern wir jedoch vor allem in Märkte, wo die Automobilindustrie zu Hause ist“, verdeutlicht Prokurist und Technischer Leiter Jörg Anderl.

Erfolgreich restrukturiert

Gegründet wurde die heutige Selectrona GmbH im Jahr 1992 und entwickelte sich mit der Fertigung umspritzter Kontaktteile für die Automobilindustrie schnell zu einem bedeutenden Arbeitgeber der Region. Durch das Elbe- beziehungsweise Müglitztal- Jahrhunderthochwasser 2002 in Schlottwitz wurden große Teile der Produktion zerstört und anschließend an den Standorten Schlottwitz und Dippoldiswalde-Reinholdshain wiederaufgebaut, ein weiterer Fertigungsstandort in Tschechien kam 2013 dazu. Die folgenden Jahre waren bis zur Planinsolvenz 2018 von weiterem Wachstum geprägt.

Nach erfolgreicher Restrukturierung kaufte Firmengründer Walter Söhner das Unternehmen 2020 wieder zurück. „Wir haben aus den damaligen Fehlern gelernt und unsere Hausaufgaben gemacht, was auch zahlreiche neue Aufträge belegen“, betont Geschäftsführer Herbert Bender. Heute beschäftigt Selectrona in Deutschland 320 Mitarbeiter, zusätzlich 30 Auszubildende  im technischen und kaufmännischen Bereich sowie weitere 50 Mitarbeiter in Tschechien. Der aktuelle Umsatz liegt bei 65 Millionen EUR.

Maximal nachhaltig

„Unsere Vertriebsabteilung mit fünf Mitarbeitern betreut unsere Kunden“, erläutert Jörg Anderl. „Außerdem sind wir als Aussteller und Besucher auf verschiedenen Messen der Automobilzulieferer.“ Social Media als Marketingkanal nutzt Selectrona unter anderem zur Anwerbung neuen Personals. Längst hat Industrie 4.0 in dem innovativen Unternehmen Einzug gehalten. So ermöglicht das moderne ERP-System die Rückverfolgung von Chargen, die eingesetzten Maschinen informieren über Qualität und eventuelle Fehler.

Als Zulieferer der Automobilindustrie ist der Betrieb auch in punkto Nachhaltigkeit auf dem neuesten Stand. „Wir haben ein Umwelt- und Energiemanagement und arbeiten ständig an diesen Themen“, versichert Herbert Bender. „In einem Großprojekt haben wir unsere Stromerzeugung durch Photovoltaik auf 1.800 kWp gesteigert sowie die Beleuchtung auf LEDs umgestellt. Im Werk setzen wir auf nachhaltige Wertstoffe im Kreislauf, nutzen Gas nur noch als kleine Reserve für Notfälle und heizen unsere Büros mit Abwärme von den Kompressoren.“

Gemeinsam Lösungen finden

„Bei uns arbeitet ein relativ junges Team mit einem guten Mix aus erfahrenen und jüngeren Beschäftigten“, sagt Jörg Anderl. „Die Kooperation und die Suche nach gemeinsamen Lösungen stehen bei uns im Vordergrund. Die Zeit der Patriarchen gehört der Vergangenheit an.“ Dazu passt auch, dass viele Mitarbeiter des mittleren Managements Eigengewächse sind. „In Deutschland müssen wir unsere Kunden teamorientiert begleiten“, weiß Geschäftsführer Herbert Bender. „Dabei wollen wir unsere technische Kompetenz auch in Nischen zeigen. Deshalb streben wir einen gesunden Branchenmix an, zum Beispiel auch mit Gebäude- und Elektrotechnik. Wer nicht bereit ist, das Gute zu zerstören, kann nicht besser werden. Ein weiteres Zukunftsthema für uns ist der Wasserstoff.“

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