„Wir erzeugen mehr Energie als wir verbrauchen“

Interview mit Antonino Giuffré, Mitglied der Geschäftsleitung der Fattoria della Piana

Wirtschaftsforum: Herr Giuffré, wie hat sich die Fattoria della Piana entwickelt?

Antonino Giuffré: Ursprünglich handelte es sich um einen kleinen landwirtschaftlichen Einzelbetrieb, den mein Großvater im Jahr 1930 gegründet hat. In den 1990er-Jahren kam dann der entscheidende Wendepunkt: Wir waren die treibende Kraft hinter der Gründung einer Genossenschaft. Dies ermöglichte es uns, zu wachsen und eine größere kritische Masse zu erreichen. Heute verarbeiten wir die Milch von rund 90 regionalen Betrieben – das macht uns zum größten Käseproduzenten in ganz Kalabrien. Unser Hauptsitz mit angeschlossener Käserei befindet sich im Herzen der Region, in Candidoni.

Wirtschaftsforum: Welche Produkte stehen im Mittelpunkt Ihrer Herstellung?

Antonino Giuffré: Unsere wichtigsten Produkte sind Mozzarella, Ricotta und verschiedene Pecorino-Varianten. Die frischen Produkte vertreiben wir in Süditalien über unsere eigene gekühlte Flotte. Die gereiften Pecorini hingegen gehen auch in den Export, vor allem nach Kanada und in die USA.

Wirtschaftsforum: Apropos Export: Wo sehen Sie hier weiteres Potenzial, zusätzlich zu den bereits bestehenden Märkten?

Antonino Giuffré: Tatsächlich ist es paradox: Unsere Produkte finden Sie in New York, aber kaum in Mailand oder München. In Europa haben wir noch Nachholbedarf – nicht wegen fehlender Qualität, sondern wegen begrenzter Produktionsmengen und mangelnder Markenbekanntheit. Das möchten wir ändern.

Wirtschaftsforum: Nachhaltigkeit scheint bei Ihnen weit mehr als ein Trend zu sein. Wie leben Sie dieses Prinzip konkret?

Antonino Giuffré: Schon 2008 haben wir begonnen, über Biogas nachzudenken – lange bevor das Thema in aller Munde war. Inzwischen erzeugen wir mehr Energie als wir verbrauchen und versorgen damit indirekt sogar unseren Ort Candidoni. Künftig wollen wir auf Biomethan umstellen und die Energie direkt ins Netz einspeisen. Unser Biogassystem funktioniert mit Nebenprodukten anderer Agrarbetriebe wie Olivenpressrückständen oder Orangenschalen. Zudem reinigen wir unser Abwasser ökologisch über ein Pflanzenfiltersystem. So entsteht ein echtes Kreislaufsystem.

Wirtschaftsforum: Rückblickend – wie hat Ihr Unternehmen die Krisen der letzten Jahre gemeistert?

Antonino Giuffré: Der Lockdown war hart, aber wir konnten durchhalten – schließlich machen Kühe und Schafe keine Pause. Wir haben die ruhigere Zeit gezielt für Forschung und Entwicklung genutzt und dabei einen 15 Monate gereiften Pecorino kreiert, der 2020 bei den World Cheese Awards sogar den renommierten Parmigiano Reggiano übertraf. Das war ein echter Meilenstein für uns – in jeder Hinsicht.

Wirtschaftsforum: Der Markt für Milchprodukte ist groß – was macht die Fattoria della Piana besonders?

Antonino Giuffré: Unsere größte Stärke liegt in der vollständigen Kontrolle über die gesamte Produktionskette – vom Anbau des Futters über die Milchgewinnung bis hin zur gekühlten Auslieferung der fertigen Produkte. Diese Unabhängigkeit garantiert nicht nur höchste Qualität und vollständige Rückverfolgbarkeit, sondern schafft auch Vertrauen bei unseren Kunden. Gleichzeitig setzen wir konsequent auf ressourcenschonende und nachhaltige Prozesse – genau das hebt uns klar vom Wettbewerb ab.

Wirtschaftsforum: Welche Ziele verfolgen Sie in den kommenden Jahren – sowohl für das Unternehmen als auch für den Standort Kalabrien?

Antonino Giuffré: Unser Hauptziel ist es, die Sichtbarkeit unserer Marke national und international deutlich zu erhöhen – insbesondere in Norditalien und europäischen Märkten wie Deutschland, wo eine große Affinität zu italienischen Spezialitäten besteht. Parallel dazu investieren wir in den Ausbau unserer Biogasanlage, die künftig auf Biomethan umgestellt wird, um noch nachhaltiger zu wirtschaften. Langfristig möchten wir als Aushängeschild für qualitativ hochwertige Produkte aus Kalabrien wahrgenommen werden – sowohl im Bereich Käse als auch als Modell für nachhaltige Landwirtschaft. Wir glauben fest daran, dass echte Qualität und regionale Identität auch international erfolgreich sein können.

Wirtschaftsforum: Sie selbst kommen aus einer anderen Branche. Was hat Sie dazu bewegt, ins Familienunternehmen zurückzukehren?

Antonino Giuffré: Genau, ich bin seit einem Jahr offiziell Teil der Geschäftsleitung, doch in Wahrheit schon mein ganzes Leben lang mit dem Betrieb verbunden. Ursprünglich komme ich aus der Theaterwelt – ich habe geschrieben, gespielt und produziert. Doch je mehr Zeit verging, desto klarer wurde mir: Mein Platz ist hier. Die enge Verbindung zur Region, zur Natur und zur Geschichte unseres Familienunternehmens ist durch nichts zu ersetzen – sie ist schlichtweg unbezahlbar.

Fattoria della Piana Società Cooperativa Agricola
Contrada Sovereto
89020 Candidoni (RC)
Italien
Tel.: +39 0965 645303
info@fattoriadellapiana.it
www.fattoriadellapiana.it

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